Biografie
Zur Person und künstlerischen Praxis
KURZBIOGRAFIE
Tarik Goetzke (* 1984, Berlin) ist Künstler und Autor. Er entwickelt Audioarbeiten und Installationen für Ausstellungen, Museen und Kontexte im öffentlichen Raum.
Seine Arbeiten sind im Spannungsfeld von Text, Klang und räumlicher Situation verortet und entstehen häufig innerhalb des fortlaufenden Arbeitsrahmens ME+, den er 2017 gemeinsam mit der bildenden Künstlerin Anna Kubelík entwickelte.
Goetzkes Arbeiten wurden international in Ausstellungen, Performances und öffentlichen Institutionen präsentiert, unter anderem im Kunstgewerbemuseum Berlin, am Goethe-Institut China und in der Villa Massimo in Rom.
ERWEITERTE BIOGRAFIE
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Tarik Goetzke wurde 1984 in Berlin geboren und wuchs im Ostteil der Stadt auf. Die politischen, sozialen und städtischen Umbrüche der 1990er Jahre im Zuge der deutschen Wiedervereinigung prägten seine frühe Wahrnehmung von Perspektive, Raum und gesellschaftlicher Veränderung maßgeblich.
Während seiner Schulzeit entdeckte Goetzke das Theater als Raum des Denkens und Experimentierens. Seine ersten praktischen Erfahrungen sammelte er beim Jugendtheater P14 der Volksbühne Berlin, wo er erstmals als Regisseur und Autor arbeitete und unter anderem Dimiter Gotscheff assistierte. In dieser Zeit verlagerte sich sein Interesse zunehmend vom Schauspiel hin zu Fragen der Organisation von Sprache, Perspektive und Wahrnehmung innerhalb performativer Strukturen.
Parallel zu seiner künstlerischen Praxis studierte Goetzke Philosophie und Neuere Deutsche Literatur in Berlin sowie Theaterregie an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main. Prägend waren dabei insbesondere sprachphilosophische und erkenntnistheoretische Fragestellungen sowie die Analyse dramatischer Strukturen, vor allem monologischer Formen. Diese Auseinandersetzungen vertiefte er später im Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt.
Nach mehreren Inszenierungen in Frankfurt und Mannheim verlagerte sich seine künstlerische Praxis zunehmend vom Theaterraum in Ausstellungs- und institutionelle Kontexte. In diesem Zusammenhang entwickelte er 2017 gemeinsam mit der bildenden Künstlerin Anna Kubelík den Arbeitsrahmen ME+, der bis heute den Ausgangspunkt seiner installativen Arbeiten bildet.
PRAXIS
Ausgangspunkt der Praxis sind selbst verfasste Texte, die das konzeptuelle und narrative Rückgrat jeder Arbeit bilden. Auf dieser Grundlage entstehen textgetriebene Audioinstallationen für Ausstellungen, Museen und Kontexte im öffentlichen Raum.
Diese Texte entfalten sich nicht als Illustration von Bildern oder Räumen, sondern als eigenständige Erzählebenen. Sie werden in intimen, kopfhörerbasierten Hörsituationen erfahrbar und treten in einen präzisen Dialog mit visuellen, räumlichen oder materiellen Gegebenheiten. Das Hören wird dabei zu einem zentralen Modus der Wahrnehmung: als situierte, zeitliche und relationale Praxis.
Innerhalb des fortlaufenden Arbeitsrahmens ME+ werden textbasierte Audioarbeiten mit unterschiedlichen räumlichen, architektonischen oder institutionellen Kontexten verbunden. Die Arbeiten sind als offene Strukturen angelegt, in denen mehrere Perspektiven parallel existieren, ohne zu einer übergeordneten Erzählung zusammengeführt zu werden.
Goetzkes Praxis bewegt sich zwischen Installation, Sound Art und erweiterten narrativen Formen. Im Zentrum steht das Hören als eine Form von Aufmerksamkeit, durch die Nähe, Dauer und Perspektive bewusst erfahrbar werden – und durch die sich Wahrnehmung, Verantwortung und Bedeutung immer wieder neu situieren.